13. August, Tag des Mauerbaus: „Es tut weh – auch heute noch!“

Berlin, Mauerbau

Verehrte Leser, was ist schon der 13. August? Ein Tag wie jeder andere! Mitnichten! Am 13. August 1961 zeigte der Sozialismus seine häßlichste Fratze. Das deutsche Volk in der DDR war es satt, gegängelt, kontrolliert, verfolgt und geknechtet zu werden. Sie hauten in Scharen ab und flohen in den (vermeintlich) „freien“ Westen. Ulbricht und seinen Schergen blieb schließlich keine andere Möglichkeit, „die Abstimmung mit den Füßen“ gegen den Sozialismus dadurch zu verhindern, daß sie eine Mauer errichteten – den „antikapitalistischen Schutzwall“, eben am 13. August.

Der 13. August ist also seitdem der Tag des Bekenntnisses für den Freiheitsdrang des deutschen Volkes. Das hindert die Politisch-Korrekten dieser Republik aber nicht daran, diesen Gedenktag umzubiegen und zu einem Kampftag gegen die angebliche „Fremdenfeindlichkeit“ unseres Landes zu ernennen.

Laßt uns bitte diesen traurigen “Gedenktag” nicht umwidmen! Heute früh hörte ich im SWR die Morgenpredigt einer evang. Dame, die den Mauerbau zum Anlaß nahm, ihre gesamte Ansprache den “Mauern in den Köpfen der Kritiker” der ziellosen Flüchtlingspolitik zu widmen. Die Mauer vom 13. August in Berlin (und dann der gesamten DDR) war eine Realität, und die Bürger, die von da wegflohen, suchten kein Asyl, sondern Freiheit. Die von Gutmenschen bemühte “Mauer in den Köpfen” ist ein Hirngespinst – und dies gerade heute heranzuziehen, eine Beleidigung des Elends der Ostzonenflüchtlinge.

Lesen Sie im Folgenden den Bericht einer  Zeitzeugin:

Meine Gedanken zum 13. August

Von Christa Ladendorf

Jede Geschichte hat einen Anfang. Diese beginnt mit meinem ältesten Bruder, der 1956 mit Frau, Kind und Aktentasche in Berlin-Ost sich in die S-Bahn setzte und in Berlin-West ausstieg. Danach sahen meine Eltern ihren Sohn und ich den Bruder für viele Jahre nicht wieder. Ich war ein Kind damals, dem man in der Schule einzureden versuchte, dass es sich bei meinem Bruder um einen verachtenswerten Vaterlandsverräter handle, was insofern erfolglos bleiben musste, weil der Erfolgreiche sich im Westen befand und ich das mit Bildern und Briefen beweisen konnte. Ab diesem Zeitpunkt spätestens lernte ich das Streiten. „Du brauchst dich gar nicht erst zu melden“, sagte eines Tages der Lehrer, „ich weiß schon was kommt.“ Ende der politischen Diskussion.

Ähnlich, aber politisch umgekehrt, ging´s bei uns zu Hause zu. Wenn Adenauer im Radio sprach hielt mein Vater das Ohr am Lautsprecher, wir anderen mussten still sein. Des deutschen Bundeskanzlers Worte schienen ihm Hoffnung zu sein, eine, deren Erfüllung er sich wünschte. Es gab damals den Witz, dass an der deutsch-deutschen Grenze ein Fallbeil aufgestellt worden sei, nach dem, wenn es fiel, die Köpfe drüben seien und die A…löcher im Osten blieben. Nicht wenige fühlten sich wie Letzteres. „Ach, die sind auch abgehauen“, hieß es dann. Und immer hinterließen die Gegangenen eine Sehnsucht bei denen, die es gerne wollten, doch (noch) nicht taten.

„Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten“, sächselte Ulbricht über alle DDR-Kanäle – und dann stand sie da: Die Mauer, aufgebaut am 13. August 1961. Die Bilder gingen um die Welt. Berlin war zu! In den Folgejahren würde viel Blut an der Mauer kleben. Blut von jungen Menschen, die ihr ganzes Leben noch vor sich glaubten und es doch, erschossen auf der Flucht, verloren. Wie sich das anhört, erlebte ich 1970 in Berlin. Donnernde Schüsse rissen uns aus dem Bett. Wir dachten es sei Krieg, rannten im Schlafanzug zum Balkon und sahen von dort den Uniformierten, der in höchstem Maße erregt in die Telefonstation brüllte: „Grenzdurchbruch im schwarzen Dreieck!!!“ Erstarrt standen wir da. Es gefror einem das Blut. Die Schüsse wollten nicht enden. Wie wild geworden feuerte eine überzählige Anzahl Grenzer auf einen einzelnen Menschen, der nach drüben wollte, in jener Nacht, im Stadtbezirk Prenzlauer Berg nahe der Malmöer Straße.

Etwas später zogen wir um in die Korsörer Straße. Eine kurze Sackgasse, die an einem Schlagbaum endete und wo sich die DDR-Wachtposten in den Hausfluren versteckten. Davon nur wenige Meter weiter stand die Mauer. Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr. Und West-Berlin war so fühlbar nahe! Es war die Skandinavische Ecke, die uns mit den Straßennamen täglich die Orte am Schild zeigte, zu denen wir nicht oder nie würden reisen dürfen. Ein Tunnel unten durch, ein Seilzug oben drüber, so phantasierten wir nicht nur einmal. Selbst die kleinen Dinge des Lebens gaben Anlass, die Mauer zu verfluchen. So, als meine Nichte in West-Berlin am Theater Premiere hatte. Die Rose, die ich ihr gerne gebracht hätte, überreichte dann stellvertretend ein Freund in West-Berlin. Ich saß heulend im Osten.

Mit welchem Recht sperrte man uns ein? Ein Bild zum Weinen war auch die junge Frau, die immer am Samstag und stets zur gleichen Stunde in die Korsörer Straße kam, man hätte die Uhr danach stellen können, um ihren Freund oder Verwandten zu sehen. Der stand auf West-Berliner Seite oben auf dem Aussichtstürmchen und die junge Frau mit dem Kind auf dem Arm stand unten auf der Straße, im Osten. Beide winkten sich über die Entfernung lange, lange zu. In jeder Woche, zur gleichen Zeit und an selbiger Stelle, in dieser rabiat geteilten Stadt mit Mauer.

Nein, mit diesem Beton-Ungetüm konnte man sich nicht abfinden. Und die dahinter stehende Ideologie vergiftete die Gehirne und trieb hässliche Blüten. Bis hinein in die Wohnungssuche. In der Korsörer Straße bewohnten wir zu dritt ein Zimmer mit Küche und galten als Notfall. Schließlich fand man in der Leipziger Straße eine Zwei-Zimmer-Wohnung mit Bad. Auf dem Bezirksamt waren die Papiere fertig und plötzlich fragte die Bearbeiterin: „Haben Sie Verwandte im Westen?“ „Ja, warum?“ Die Dame zog uns sofort die Papiere unter den Händen weg und sagte: “Sie können die Wohnung nicht bekommen.“ Auf unsere Fragen gab sie keine Antwort. Wir erfuhren, dass es der Standort war, denn man konnte von dort ab einer gewissen Höhe über die Mauer und direkt auf das Springer-Gebäude schauen.

Ich konnte gar nicht anders, als immer wieder daran zu denken, dieses diktatorische Land zu verlassen. Aber manchmal dauerte es Jahre bis es gelang. Mit dem Flugzeug jedenfalls gelang es uns nicht, obwohl wir auf Negativfilm alle Papiere dabei hatten und den Zufall ersehnten, dass die TU-Maschine, wie kurz zuvor die von LOT, gen Westen entführt wird. LOT wurde zum Synonym für „Landet-Och-in Tegel“. Eigentlich war es ein furchtbarer Gedanke, auf die Entführung eines Fliegers zu hoffen. Aber was dachte man nicht alles, wenn man täglich die Berliner Mauer vor Augen hatte und im Ohr die Schüsse, die auf Flüchtlinge abgefeuert wurden.

Anfang April 1987 kamen wir schließlich, nach jahrelangem und zermürbendem Procedere mit ganz vielen und wiederholt gestellten Ausreiseanträgen, endlich in die Bundesrepublik. Geholfen haben uns die Familie und mit einigem Engagement unsere Freunde in West-Berlin. Mit den SED-Diktatoren, die mich schon als Kind herausgefordert hatten und die mir mit dem Älterwerden zunehmend repressiver erschienen, mit denen musste ich, nachdem ich auf der freiheitlichen Seite der Mauer angekommen war, dann wenigstens nicht mehr streiten.

Heute nun mögen die Historiker darüber befinden, wer oder was die Mauer mitsamt der DDR zu Fall gebracht hat. Die Politiker, vor allem die Jungen unter ihnen, sollten den Zeitzeugen zuhören und sich mit den erinnernden Älteren fragen, wie sie mit Menschen umgehen, die sich der SED-Diktatur verweigert und darum die DDR verlassen haben. Die Mauer, die am 13. August 1961 errichtet wurde, gegenständlich wie ideologisch, hat nur Leid hinterlassen. Sie steht gottseidank nicht mehr! Quelle: C.Ladendorf, http://f3.webmart.de/f.cfm?id=2165073&r=threadview&t=4032740&pg=1#16484530

Gundhardt Lässig – 13. August 1961 –

Petition an den Deutschen Bundestag

zur Wiederherstellung der Rechte der Personen, die bereits vor dem Mauerfall im Geltungsbereich des Grundgesetzes lebten

Ablauf eines Petitionsverfahrens:

http://www.flucht-und-ausreise.info/…/e5988_2010-09-14…

Das Datum 13. August auf der Sammelpetition, die auch hier im Forum abrufbar ist, war bewusst gewählt. An den Mauerbau zu erinnern sollte jedem deutschen Bürger am Herzen liegen. Insbesondere unseren Abgeordneten, der Regierung und dem Bundespräsidialamt.

Die Petition, auch die vom 13. August, ist gegen die Petenten entschieden und das Verfahren beendet worden. Daran hat das geschichtsträchtige Datum leider nichts ändern können. Doch ohne den Mauerbau hätte diese Petition vielleicht gar nicht geschrieben werden müssen. Gut allerdings ist, dass es sie gegeben hat. Erinnert sie doch an eine Zeit, in der Schießbefehl, Selbstschussanlagen, das Eingeschlossensein in einem Territorium, das nach innen wie ein Hochsicherheitstrakt abgeriegelt war und DDR hieß, an getrennte Familien und furchtbare Schicksale.

Nun aber ist mit der Entscheidung des BMAS und der des Petitionsausschusses sowie mit Zustimmung eines erheblichen Teils der Abgeordneten eine neue, imaginäre Mauer wieder aufgebaut worden. Aus Ablehnung und Nichtachtung derjenigen, die einst die reale, gegenständliche Mauer bewusst erlebt und schließlich gegen alle Gefahren überwunden haben. Wer Stasi-Akten und Mielke-Befehle kennt, der wird wissen, dass das alles andere als ein Spaziergang war.

Die ausreisewilligen Antragsteller, oder im DDR-Sprech „Übersiedlungsersuchende“, waren in der DDR feindlich-negativ geächtete Subjekte. Ihre Daten waren registriert, der Zugriff stets vorbereitet. Heute von „alle gleich“ (DDR und rentenrechtlich) zu reden, das ist nicht nur ausgesprochen simpel, sondern den geschichtlichen Tatsachen gegenüber mehr als unangemessen. Für die Historie, die niemals geklittert werden darf, braucht es freilich Sensibilität, Wachsamkeit, Aufklärung und vor allem Wissen.

Dies mit der Petition in Teilen zu transportieren, war an der imaginären Mauer, die die Gegnerseite aufgebaut hat, gescheitert. Zunächst …..

(Quelle: C. Ladendorf, http://f3.webmart.de/f.cfm?id=2165073&r=threadview…)

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