Die Energiefrage – #23 Gekündigte Klimaabkommen

von Dr. Björn Peters, Ressortleiter Energiepolitike beim DAV

Am vergangenen Donnerstag verkündete Donald Trump, dass sich die USA aus dem Pariser Klimaabkommen zurückziehen werden. Nachdem sich Politiker und Journalisten einhellig darin überschlagen haben, den Schritt zu verurteilen, muss hier eine Stimme der Vernunft erhoben werden. Weder ist das Pariser Klimaabkommen ein Fortschritt für Mensch und Planet, noch ist es der beste Weg, um eine Defossilisierung des Energieverbrauchs zu bewirken.  Dass im Jahr 500 von Luthers Reformation auch mit Unterstützung der Kirchen ein wirkungsloser Ablasshandel eingeführt werden soll, nimmt zudem Wunder.

Als Ende 2015 das Pariser Klimaabkommen abgeschlossen wurde, jubelten Politiker und Medienvertreter lautstark, doch warum eigentlich?  Das Klimaabkommen, wenn es komplett erfüllt wird, reduziert auch nach den Daten des Weltklimarats die Erdtemperaturen bis zum Jahr 2100 nur um 0,05°C, wie Bjørn Lomborg vorgerechnet hat.  Es ist also weitgehend wirkungslos.  Gleichzeitig hat Lomborg auch errechnet, dass es zu weltweiten Kosten von ein bis zwei Billionen (!) US-Dollar führen wird – jährlich.  Ein Teil dieser Kosten sind den politischen Maßnahmen der Staaten geschuldet, die hohe Subventionen beschlossen haben für Technologien, die eigentlich schon marktreif sind wie Wind- und Solarenergie.  Oder sie finanzieren den Einsatz von Technologien, die noch Jahrzehnte fern sind von der Marktreife wie beispielsweise Stromspeicher und Elektromobilität, anstatt für einen Bruchteil der Kosten deren Erforschung zu fördern.

Ein anderer Teil dieser Kosten sind für Transferzahlungen an ärmere Staaten vorgesehen, die im Wesentlichen den Lebensstandard der dortigen Regierungsvertreter erhöhen, aber kein einziges der wahren Probleme lösen werden, die diese Staaten drückt:  Wasserverschwendung, massive Umweltverschmutzung, selbstgemachte Dürren durch Überweidung, unzureichende Schutzmaßnahmen vor Naturkatastrophen, unzureichende Gesundheitssysteme, Analphabetismus, Korruption, Rechtlosigkeit, Unfreiheit, Aberglauben.  Dass mit den Transferzahlungen eine Art Ablasshandel eingeführt wird und die Kirchen das auch noch bejubeln, verwundert im Jubiläumsjahr der Lutherschen Reformation. Während mit dem Geld damals aber wenigstens die Sixtinische Kapelle und der Petersdom gebaut wurden, verpuffen die Zahlungen im 21. Jahrhundert in korrupten Taschen der lokalen Eliten ohne Mehrwert für die Bevölkerung.

Dennoch wird das Pariser Klimaabkommen wie vieles andere in diesen Tagen oft als „alternativlos“ bezeichnet.  Dabei gäbe es deutlich bessere und wirkungsvollere Maßnahmen, um Mensch und Umwelt zu helfen, die gleichzeitig wesentlich geringere Kosten verursachen würden.  Die Vermeidung von Emissionen, die im Pariser Klimaabkommen als Allheilmittel angesehen wird, ist nur ein Weg, um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen.  Die gesamte moderne Geschichte der Menschheit ist eine von der Abkopplung von Wetterunbilden.  Heutzutage gibt es sprichwörtlich kein schlechtes Wetter mehr, sondern nur unpassende Kleidung.  Die Menschheit hat also gelernt, mit wechselnden Wetterbedingungen und mit Naturkatastrophen umzugehen.  Und so ist es auch logisch, dass in entwickelten Ländern, in denen die Technik weit entwickelt ist, Stürme und Überflutungen wesentlich weniger Menschenleben kosten als in armen Ländern.  Die großen Nordsee-Sturmfluten des letzten Jahrtausends wie die große Manndränke 1362 und die Weihnachtsflut 1717 forderten viele zehntausende Tote und sorgten dafür, dass die Binnenstadt Jever immer wieder mal zur Hafenstadt wurde, weil das Meer so viel neu gewonnenes Land hinter den unzureichenden Deichen zurückholte.  Dagegen hinterließen die wesentlich höheren Sturmfluten der Jahre 1976 und 1990 kaum mehr als zeitweise überflutete Campingplätze.

Umgekehrt kosten unsere klimapolitischen „Rettungsmaßnahmen“ wie der Windkraftausbau und die energetische Nutzung von Biomasse hierzulande jedes Jahr Tausende von seltenen Wildtieren das Leben.  Während diese Maßnahmen kein Gramm CO2 einsparen und damit dem Eisbären nichts nutzen, veröden unsere Kulturlandschaften zu Industrieflächen, auf deren Monokulturen kein Vogel singt und keine Biene summt.  Den „stummen Frühling“ haben nicht Umweltgifte, sondern eine unsinnige Energiepolitik bewirkt. Fledermäuse, Schwarzstörche, Greifvögel, sie alle fallen massenhaft unserer Energiewende zum Opfer. Diese Art der „Klimapolitik“ kann man wirklich nur zwischen Anführungszeichen setzen: sie ist zugleich wirkungslos und extrem teuer, zudem eine Sünde an unserer Natur.  Es wird dringend Zeit, dass die gesamte Energie- und Klimapolitik auf den Prüfstand kommt und nach der Bundestagswahl ein Neustart erfolgt.

Insofern ist es sehr zu begrüßen, dass der Berliner Kreis der CDU am Wochenende gefordert hat, eine Klimapolitik mit Augenmaß zu betreiben.  Es ist nur folgerichtig: Deutschland sollte es den USA gleichtun und nach der Wahl das Pariser Klimaabkommen kündigen und dann neu verhandeln.  Paradoxerweise ist es gerade der sprunghafte Donald Trump, der uns einen Neustart in Energie- und Klimapolitik ermöglicht.  Ergreifen wir diese unverhoffte Chance!

5. Juni 2017

Quelle und Originaltext: Deutscher Arbeitgeberverband (DAV)

 

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