Flüchtlingsstrom reißt nicht ab: Stadt bereitet sich auf Notunterbringung von Flüchtlingen vor

ib – Aufgrund der weiter stark steigenden Zahlen der Flüchtlinge bereitet sich auch die Bundesstadt Bonn auf eine vorübergehende Notunterbringung von Flüchtlingen vor.

„Die Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes sind voll und in vielen Fällen – wie auch in Muffendorf – bereits massiv überbelegt. Aktuell sucht das Land kurzfristig weitere 1000 Plätze, um schnell weitere Flüchtlinge unterbringen zu können. Das bedeutet für die Kommunen, dass die Verweildauer in den Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes verkürzt werden und auch die Menschen, die keine Chancen auf Anerkennung als Flüchtlinge haben, zunächst einmal in vielen Fällen auf die Kommunen verteilt werden.“, so die Bonner Sozialdezernentin Angelika Maria Wahrheit.

Aktuell werden von der Bonner Stadtverwaltung 1150 Flüchtlinge untergebracht.

Als vorübergehende Notunterkunft richtet die Stadt – wie für diesen Fall seit Monaten vorgesehen – derzeit das Gebäude der ehemaligen Pestalozzischule her, in dem ab Montag der übernächsten Woche 60 bis 120 Menschen eine vorübergehende Bleibe finden könnten. Duschmöglichkeiten werden in Containern geschaffen, die auf dem ehemaligen Schulhof aufgestellt werden.

Ab kommenden Montag stehen im ganzen Stadtgebiet zusätzliche Unterkünfte für 35 Menschen zur Verfügung; die Wohnungen wurden von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, von der VEBOWAG und von Privatpersonen zur Verfügung gestellt.

Ab der übernächsten Woche kann auch endlich die Provinzialstraße bezogen werden, die Plätze für 70 Flüchtlinge bietet. Brandschutzprobleme, die ein externer Gutachter festgestellt hat, sollen bis dahin gelöst sein.

Außerdem geht die Stadt davon aus, dass die Bezirksregierung schnellstmöglich die Ermekeilkaserne als Erstaufnahmeeinrichtung für 200 Flüchtlinge in Betrieb nehmen wird, Plätze, die dann auf das Kontingent der Bundesstadt Bonn angerechnet werden – ebenso wie die zusätzlichen Plätze in Muffendorf. Dies würde Bonn für einige Zeit entlasten. Darum hat die Stadt in einem Schreiben an die Bezirksregierung Köln und das Innenministerium noch einmal ausdrücklich gebeten.

Sozialdezernentin Angelika Maria Wahrheit: „Darüber hinaus prüfen wir mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln weitere Möglichkeiten zur Unterbringung von Flüchtlingen. Dazu gehören Hotelunterkünfte, mehrere kleine städtische Gebäude, die derzeit leer stehen, aber auch Turnhallen, vorrangig jene, in denen kein Schulsport stattfindet. Auch der Einsatz eines Hotelschiffs wird geprüft, wobei hier das Problem einer Anlegestelle wegen schwankender Rheinpegel schwer zu lösen ist. Auch die Vebowag hat Hilfe zugesagt, wenn sich Leerstände ergeben und wir gehen unter der sich verschärfenden Situation noch einmal alle bereits geprüften Gebäude durch.“

Für den Rat am 17. September bereitet die Verwaltung zudem eine Vorlage zum Kauf eines weiteren Gebäudes vor, in dem perspektivisch bis zu 150 Menschen untergebracht werden können. Sozialdezernentin Angelika Maria Wahrheit: „Es ist wichtig, dass die Stadt trotz der bestehenden Haushaltslage auch über eigene große, zeitlich unbegrenzt zur Verfügung stehende Flüchtlingsunterkünfte verfügen kann, denn wir können nicht davon ausgehen, dass die Stadt auf Dauer deutlich weniger Menschen unterbringen muss. Wir rechnen bis Jahresende mit einer Zahl von insgesamt 1500 Menschen, für deren Unterbringung wir Verantwortung tragen. Ich appelliere an die Stadtgesellschaft und die Politik, sich weiterhin solidarisch zu zeigen und auch Wegen gegenüber aufgeschlossen zu sein, die einer möglichen Notsituation geschuldet sind.“

Im Übrigen – so die Sozialdezernentin – sei die kommunale Ebene nicht in der Lage, allein mit der aktuellen Situation fertig zu werden, deren Ende nicht in Sicht sei. Gefragt sei der Bund, um unter anderem schnellere Entscheidungen herbeizuführen, wer von den Flüchtlingen Aussicht auf ein Bleiberecht hat und wer nicht.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Bonn abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.