Türkei: Militärputsch gegen Erdogan

Am heutigen Abend (Stand 22:30) versuchte und versucht ein Teil des türkischen Militärs den Putsch gegen die Regierung Erdogan. Dies bestätigte Ministerpräsident Binali Yildirim.

Landesweit wurde über das staatliche TV das Kriegsrecht ausgerufen und eine Ausgangssperre verhängt, beides wurde per Audionachricht über CNN türk von Erdogan widerufen, der sich in Sicherheit gebracht haben soll. Zusätzlich rief Erdogan in seiner Telefonansprache die Bevölkerung auf, sich gegen das Militär zu stellen und Demonstrationen zu organisieren.

Mit Panzern und Hubschraubern wurden Stellungen in Ankara bezogen; in Istanbul wurden bereits zwei Bosporus-Brücken besetzt, Kampfjets sollen im Einsatz sein  und die Polizei wurde angeblich teilweise entwaffnet.
Abgeordnete der AKP wurden unter „Schutz“ gestellt.

Anscheinend gibt es auch innerhalb der türkischen Armee Flügelkämpfe zwischen den Kemalisten und den „Erdoganisten“, die diesen Putsch nicht mittragen.

Auslöser für diesen Putsch könnte oberflächlich betrachtet die sture Haltung Erdogans gegen die EU, gegen Russland, gegen Israel, seine eigenwillige Interpretation der NATO und sein unkalkulierbares Verhalten gegenüber Syrien, ISIS und den Kurden sein.
Auch die eher willkürlich anmutenden Verhaftungen von Regimekritikern, Journalisten, Beamten, Staatsanwälten, Rechtsanwälten, Polizeiführern und Militärs sowie die stetigen Einschränkungen der Menschenrechte durch die Regierung Erdogans könnten das Fass zum Überlaufen gebracht haben.

Bei näherem Hinsehen gab und gibt es aber bereits seit Jahren Spannungen zwischen der eher kemalistischen Armeeführung und der AKP, die versucht, die Türkei wieder in einen fundamentalislamischen Staat zu verwandeln. Auch die Bestrebungen Erdogans, über eine grundllegende Verfassungsänderung eine Präsidialherrschaft unter seiner Führung einzuführen, dürfte nicht unbedingt auf Gegenliebe bei den Generälen und Teilen der eher säkular eingestellten Bevölkerung gestossen sein.

Die Auswirkungen auf die türkischen Verbände in Europa könnten gravierend sein. Man stelle sich vor, die DITIB oder die ATIB würden kein Geld mehr aus der Türkei bekommen, den Vereinen „Graue Wölfe“ oder „Milli Görüs“ würde der Geldhahn zugedreht …

Alles Mutmaßungen, aber denkenswert. In einigen Stunden oder Tagen wissen wir mehr.

Interessant dürfte die Reaktion der Merkel-Regierung werden, die ihre Hoffnung bezüglich der Kontrolle der bisher völlig unkontrollierten Zuwanderung voll und ganz auf die Zusammenarbeit mit Erdogan gesetzt hat und diesem dafür ca. 6 Milliarden EURO versprochen hat..

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