Überschwemmungen am Samstagabend in Mehlem und Bad Godesberg

ib – Starke Regenfälle im westlichen Rhein-Sieg-Kreis am Samstagnachmittag haben zu Überschwemmungen am Mehlemer Bach in Mehlem und am Godesberger Bach in der Bad Godesberger Innenstadt geführt. Straßen und Keller wurden überflutet, zehn Häuser mussten zwischenzeitlich sicherheitshalber evakuiert werden, drei Menschen wurden leicht verletzt. Insgesamt 700 Einsatzkräfte waren bzw. sind vor Ort.

Oberbürgermeister Ashok Sridharan, der sich selbst sowohl am Samstagnachmittag und –abend als auch am Sonntagmittag ein Bild von den betroffenen Stadtteilen Bad Godesbergs machte, lobte zum einen die hervorragende Arbeit der Einsatzkräfte. Zum anderen dankte er zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern für ihr ehrenamtliches Engagement. „Viele haben mitgeholfen aufzuräumen oder Keller und Straßen zu reinigen.“

Die Situation in Mehlem

Frühzeitig hatte die Gemeinde Wachtberg am Samstagnachmittag die Bonner Feuerwehr über starke Regenfälle informiert. Wie Feuerwehrchef Jochen Stein erläutert, stieg der Pegel des Mehlemer Baches in kurzer Zeit sehr schnell an. Im Bereich der Mainzer Straße konnte der verrohrte Bach dann die Wassermassen nicht mehr aufnehmen. Diese überfluteten die Straße; an einer Stelle kam es zur Unterspülung einer Garage und zu einem größeren Erdeinbruch, vermutlich durch die Beschädigung am Kanal. Zehn an diese Einbruchstelle angrenzende Häuser mussten evakuiert werden. Während acht zwischenzeitlich wieder freigegeben werden konnten, bleiben zwei Gebäude an der Rüdigerstraße zunächst gesperrt. Die Feuerwehr half u.a., voll gelaufene Keller leer zu pumpen und den Bürgern, ihre Häuser mit Sandsackbarrieren vor dem Wasser zu schützen.

„Wir gehen davon aus, dass der Druck des Wassers den Mehlemer Bachkanal an einer Schwachstelle aufgerissen hat und daher nicht mehr das gesamte Profil des Bachkanals zur Verfügung steht“, erklärt Tiefbauamtsleiter Peter Esch. Grund ist das Hochwasser des Rheins, dadurch kann das Wasser des Bachkanals nicht ungehindert in den Rhein fließen. „Das Rheinwasser staut den Bachkanal – es wirkt wie eine Art Pfropfen“, so Esch.

Sollte es zu weiteren starken Regenfällen kommen – für den Nachmittag sind erneut Unwetter vorhergesagt – sind weitere Einbrüche nicht auszuschließen. Daher werden die etwa 40 Anwohnerinnen und Anwohner, die in 19 Häusern unmittelbar über dem verrohrten Bachkanal entlang der Mainzer Straße wohnen, auf eine mögliche Evakuierung vorbereitet. „Wir haben eine technische Lösung gefunden, mehrere Tiefbaufirmen sind angefordert. Das Problem ist, dass wir den Schaden am Bachkanal derzeit nicht untersuchen können, da der Bachkanal mit Wasser voll ist“, sagt Peter Esch. Gleichzeitig installiert die Feuerwehr zahlreiche Pumpen, die bei weiteren Regenfällen Druck vom verrohrten Bachkanal nehmen sollen.

Die Wassermassen in Mehlem gingen noch am Samstagabend zurück. Die Einsatzkräfte und die bonnorange AöR konnten die Straßen vom Schlamm und Dreck reinigen.

Die Lage in Bad Godesberg

Die starken Regenfälle führten auch dazu, dass der Bad Godesberger Bachkanal – ähnlich wie in Mehlem in seinem verrohrten Abschnitt im Bereich Brunnenstraße – die Wassermassen nicht mehr aufnehmen konnte und gegen 18 Uhr Teile der Bad Godesberger Innenstadt überflutete. Die Hilfskräfte befreiten eine Person aus einem Auto und halfen einer weiteren Person, die in einem Haus eingeschlossen war. Das Wasser überflutete neben zahlreichen Kellern und Tiefgaragen auch die große Tiefgarage der Fronhofer Galerie. Dort steht nach wie vor das Wasser. Die Feuerwehr versucht, die Tiefgarage der Galerie im Laufe des Sonntages leer zu pumpen.

Auch in der Bad Godesberger Innenstadt zog sich das Wasser nach wenigen Stunden wieder zurück.

Durch den Wassereintritt in die Tiefgarage Fronhofer Galerie und eine Stromverteilstation im Gebäude wurde am Samstag um 19.30 Uhr ein Kurzschluss ausgelöst, der sich auf weitere acht Netzstationen in Bad Godesberg ausdehnte. Einsatzteams von BonnNetz (Netzgesellschaft der Stadtwerke Bonn) konnten vor Ort binnen einer Stunde die Versorgung wieder herstellen. Betroffen waren rund 1.000 Haushalte im Bereich der Bad Godesberger Innenstadt und in Mehlem. Allerdings blieben auch im Verlauf des Sonntags rund 55 Wohneinheiten ohne Stromversorgung, die von der noch immer überfluteten Verteilstation Fronhofer Galerie versorgt werden. Außerdem sind rund 30 Gebäude, deren Keller überflutet waren, sowie einzelne Nachbargebäude ebenfalls auch noch am Sonntagmorgen von der Stromversorgung abgeschnitten. Keine Auswirkungen oder Einschränkungen gab es in der Trinkwasser- und Gasversorgung.

Im Nahverkehr mussten am Samstag acht Buslinien Umleitungswege fahren, weil weite Teile des Liniennetzes und hier vor allem die Bad Godesberger Innenstadt nicht befahrbar waren. Dank der guten Zusammenarbeit mit der Feuerwehr konnten die Linienbusse rechtzeitig aus den überfluteten Streckenabschnitten abgezogen werden. In der Nacht stellte SWB Bus und Bahn einen Linienbus für die Bewohner der evakuierten Gebäude in Mehlem zur Verfügung. Am Sonntag blieben Umleitungen für die Buslinien 615 (Brunnenallee) sowie die Linien 612 und 613 (Sperrung Mainzer Straße) bestehen.

700 Hilfskräfte waren bzw. sind im Einsatz

Insgesamt waren 700 Hilfskräfte im Einsatz: Bonner Berufsfeuerwehr, Freiwillige Feuerwehren, das THW, die DLRG, das DRK und die Malteser. Unterstützt werden die Bonner Einsatzkräfte durch sieben Löschzüge aus dem Rhein-Sieg-Kreis, dem Rhein-Erft-Kreis und der Feuerwehr Köln. Der Stadtordnungsdienst, der mit 28 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Einsatz war, ließ Fahrzeuge in Gefahrbereichen umsetzen, informierte zahlreiche Autofahrer, ihren Wagen umzuparken, und kontrollierte die abgesperrten Bereiche. Drei Menschen wurden leicht verletzt.

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